Pressespiegel
28.04.2016, 15:03 Uhr
Kreisbauerntag: Landwirtschaft in der Krise
NWZ, Oliver Hockenmaier, 22. April 2016

Der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, Alois Gerig, war Hauptredner beim Kreisbauerntag. Er sprach davon, dass Verbraucher über die Zukunft der Bauern bestimmen könnten.

Schlechte Preise für Milch, Fleisch und anderen Produkte: Beim Kreisbauerntag in Ottenbach wurde die Krise in der Landwirtschaft thematisiert. Bild: Giacinto Carlucci

Beim Blick auf die Ehrengäste wurde deutlich: Der Kreisbauernverband ist sehr gut vernetzt. Mehr als 200 Besucher waren am Mittwochabend zum Kreisbauerntag nach Ottenbach gekommen, darunter Kreis- und Kommunal-, und Landespolitiker. Dass die Unterstützung der Politik auch nötig ist, wurde schnell klar. Der Kreisvorsitzende Hermann Färber machte deutlich, dass die Landwirtschaft wohl in einer ihrer schwierigsten Krisen der letzten drei Jahrzehnten stehe. Schlechte Preise in allen Zweigen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben aufgrund immer höher werdender Standards und Auflagen sowie den gestiegenen Ansprüchen an Tierhaltung und Produktion durch die Verbraucher, erschwerten die Situation der Landwirte zunehmend.

Umso ärgerlicher sei daher, dass die Umstellung auf ein neues EDV-System mit zahlreichen Fehlern behaftet sei, so dass viele Förderanträge nicht rechtzeitig gestellt werden könnten. Färber - gleichzeitig Bundestagsabgeordneter im Landkreis Göppingen - versprach, sich dafür einzusetzen, dass in der Folge die Landwirte keinen finanziellen Schaden davon trügen.

Der Hauptredner des Abends, der CDU-Bundestagsabgeordnete Alois Gerig, zeigte sich erfreut, dass die Wertschätzung für die Landwirtschaft in dieser Region noch sehr hoch sei. Vielerorts sei die grundlegende Bedeutung der Landwirtschaft als Nahrungsproduzent nämlich nicht mehr vorhanden. So gäben die Verbraucher in Deutschland lediglich 11 bis 13 Prozent ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel aus und ganze 11 Millionen Tonnen Lebensmittel wanderten jährlich in den Müll.

Gerig wies auf den schwierigen Stand der Landwirtschaft, besonders in den Medien, hin. Daher sei es für die Landwirtschaft elementar, aus der Defensive zu kommen. Die initiierte Aktion Tierwohl könnte ein großer Imagegewinn werden. Sie sei bei den Bauern auf großes Interesse gestoßen, aber der Lebensmitteleinzelhandel spiele dabei eine unrühmliche Rolle. Dieser fordere immer höhere Standards, ohne die Preise anpassen zu wollen. Dabei würden vier Cent pro Kilo Fleisch schon genügen, um die Aktion für die Landwirte finanziell darstellbar zu machen.

Hier seien aber auch die Verbraucher gefragt: "Mit ihrem Griff in das richtige Regal entscheiden die Verbraucher mit über die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe vor Ort." Vor diesem Hintergrund sieht Gerig auch Chancen im Handelsabkommen TTIP. Er sprach sich dafür aus, die Standards zum Schutz der Verbraucher und Landwirte nicht zu senken und gentechnisch veränderte Pflanzen in der Lebensmittelerzeugung wolle über Parteigrenzen hinweg niemand. Deutschland dürfe sich als starker Exporteur aber nicht grundsätzlich TTIP verweigern. Vielmehr liege im Zuge des Abkommens die Chance, eine Lebensmittelkennzeichnung zu bekommen, die gerade kritische Verbraucher noch mehr für regionale Produkte sensibilisiere.