„Ohne Bienen wäre manches Supermarktregal leerer"

Fachvortrag über Bienen und Biodiversität

Dr. Jens Pistorius referiert auf Einladung von Hermann Färber MdB im Restaurant Becher in Donzdorf über Bienenschutz, Bienensterben und die gesellschaftliche Relevanz dieses Themas

Wie können die Interessen und Belange von Landwirtschaft, Imkerei, Pflanzen- und Bienenschutz sowie die der Verbraucher in Einklang gebracht werden? Welche Faktoren wirken sich positiv auf den Lebensraum der Bienen aus? Welche konkreten Maßnahmen kann der Mensch ergreifen, um die Lebens- und Ernährungsgrundlagen der Bienen in der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft sowie im städtischen Bereich zu verbessern?

Dazu lud der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Färber den Leiter des Bieneninstituts am Julius Kühn-Institut, Dr. Jens Pistorius, zu einem Fachvortrag ein. „Jäger, Landwirte und Imker teilen sich das Land. Das ist nicht immer einfach und führt auch zu Konflikten, sei es bei Wildschäden im Feld oder beim Anlegen von Blühstreifen“, sagt Färber in seiner Begrüßung. In der Praxis kämen Imker und Landwirte immer noch zu selten zueinander.

„30 Prozent der Bienen sterben jährlich.“ oder: „Glyphosat soll Ursache für Bienensterben sein.“ – derartige Aussagen seien zu allgemein und spiegelten die Wahrheit nicht korrekt wieder, berichtet der Wissenschaftler Pistorius in seinem Vortrag. „Nicht jeder Bienenschaden ist eine Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel. Vielfach entstehen diese durch Virenbefall. Auch der Einsatz von Bioziden, wie beispielsweise Ameisenköder auf zuckerhaltiger Basis, kann sehr kritisch sein.“ Darüber hinaus gibt es auch Bienenschäden, die auf Fehlanwendungen von Pflanzenschutzmitteln und die Nichtbeachtung der Anwendungsvorschriften zurückzuführen sind. „Zugelassene Pflanzenschutzmittel haben bei sachgerechter Anwendung keine negativen Auswirkungen auf Bienenvölker“, erklärt Pistorius.

„Von einem Honigbienensterben kann man weder in Deutschland noch weltweit sprechen. Allenfalls verzeichnen wir Winterverluste, die kompensiert werden können. Aber, das muss man ehrlicherweise auch sagen: es schwächt die Rentabilität der Bienenhaltung“, legt Pistorius die Fakten dar.

Das Institut stellt eine Zunahme der Imkerei in der Stadt fest. Der Deutsche Imkerbund (DIB) verzeichnet steigende Zahlen bei den Jungimkern. Honig- und Wildbienen sind aufgrund ihrer Bestäubungsleistung an Kultur- und Wildpflanzen für die Landwirtschaft und die Natur essentiell. „Ohne deren Bestäubungsleistung wären einige unserer Supermarktregale leerer. Wir müssen daher mit beispielsweise Nisthilfen, Wildbienenhäusern oder speziellen Blütenangeboten den Lebensraum der Bienen erhalten“, sagt der Bienenwissenschaftler. Bienenschutz und Pflanzenschutz sei zuweilen eine Gratwanderung, aber die Vereinbarkeit sei machbar. „Der Pflanzenschutz sichert wirtschaftliches Arbeiten, gesunde Lebensmittel und erhält den Lebensraum der Insekten. Davon profitieren Landwirte, Imker und Verbraucher“, sagt Pistorius.

Gesunde, regional produzierte Lebensmittel gewinnen wieder mehr an gesellschaftlichem Wert. „Das Interesse der Bevölkerung an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und das Bedürfnis zu wissen, wo und wie die Lebensmittel hergestellt werden, steigt“, stellt Färber fest. Jeder könne durch sein Verhalten seinen Teil dazu beitragen, Bienenschutz, Pflanzenproduktion und den Erhalt der Kulturlandschaften praxis- und zukunftstauglich zu gestalten. „Die Landwirtschaft durch eine entsprechende Landschafts- und Flächengestaltung und der Verbraucher durch sein Konsumverhalten. Respekt vor dem Lebensmittel ist hier der Schlüssel dazu“, sagt der CDU-Parlamentarier.
 



Hintergrund

Das Institut für Bienenschutz ist das jüngste Institut des Julius Kühn-Instituts (JKI). Mit der Gründung des Instituts im April 2016 wurden die bisherigen Aufgaben des JKI im Bereich Bienenschutz verstärkt und thematisch weiter ausgebaut. Dazu gehört die Risikobewertung der Bienengefährlichkeit von Pflanzenschutzmitteln, die Untersuchung von Bienenvergiftungen und die Forschung zum Bienenschutz. Mehr Informationen unter https://www.julius-kuehn.de/bienenschutz/.

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